Das Wetter ist sehr gut. Das Kleid ist sehr schön oder die Präsentation war sehr gut. Wir alle kennen und nutzen die Verstärkung mithilfe des kleinen Wörtchens „sehr“. Warum du darauf jedoch besser verzichten solltest, zeige ich dir heute.
Das „Sehr“ ist überflüssig
„Das „sehr“ kannst du dir zukünftig sparen! “ – Dieses Feedback bekam ich entgegengeschmettert, als ich meinen ersten Text vor 8 Jahren bei meiner Zeitungsredakteurin eingereicht habe. Bumm. Ich habe ewig an meinem Text damals gefeilt. Schließlich wollte ich mich mit meinem ersten Artikel auch ein Stück als Journalistin beweisen.
„Dein Text klingt gut. Ist schön geschrieben, aber du nimmst die Leute zu wenig mit“. Im ersten Moment hat mich das Feedback mal ganz schnell von Wolke 7 herunter geholt und geerdet. Dann habe ich drüber nachgedacht. Und stellte fest:
Texte lieber lebendig schreiben
Die Leser lesen meinen Artikel. Sie sind vermutlich nicht vor Ort gewesen. Haben also keine Ahnung von dem, was auf der Veranstaltung passiert ist. Also ist es entscheidend, dass ich ihnen so klar wie möglich ein Bild vorgebe. Sodass Helmut (89 Jahre) einen ähnlichen Eindruck von dem Geschehen hat, wie Anna (19).
Gerade bei Beschreibungen, egal ob es um eine Veranstaltung, einen Unfall, ein Produkt oder eine Servicedienstleistung geht, ist es unglaublich wichtig, den Leser mitzunehmen und bei ihm ein konkretes Bild zu erzeugen.
Beispiel gefällig? Bitteschön:
❌ Es war sehr laut auf dem Konzert.
✅ Die Musik dröhnte durch die Halle.
-> Wir waren alle schon einmal auf einer Veranstaltung, auf der man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden hat und können uns daher die Situation genau vorstellen.
❌ Das Wetter war sehr schlecht.
✅ Es stürmte und regnete ununterbrochen.
-> Während sehr schlecht für den einen bedeutet, keine Sonne am Himmel zu sehen, empfindet der andere erst einen Hurricane als sehr schlechtes Wetter. Die genaue Beschreibung lässt hier keinen Interpretationsspielraum.
❌ Ich bin heute sehr müde
✅ Ich bin heute völlig erschöpft.
-> Auch dieses Beispiel nimmt den Leser mit, indem die Beschreibung konkreter wird.
Mein Tipp: Streiche nicht nur – ersetze!
Das „Sehr“ ist ein Klassiker unter den Füllwörtern. Es verstärkt zwar ein Adjektiv – aber meistens nur auf dem Papier. Statt Klarheit zu schaffen, macht es Aussagen oft weich und unkonkret, wie die Beispiele eben zeigten.
Wenn du deinen nächsten Text schreibst, achte einmal genau darauf ob, wann und wie oft du die Verstärkung mit „sehr“ einsetzt. Und frage dich dann:
Braucht es das wirklich? Oder gibt es ein Wort, das noch besser beschreibt, was ich meine?
Du wirst staunen, wie lebendig dein Text plötzlich wird.
Und wenn du merkst, dass dir das Formulieren schwerfällt oder du Feedback brauchst – Schreibe mir, wenn du Unterstützung brauchst!


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